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  • 27.07.2017
Lebensmittel_A. Huerta

Foodsharing – Lebensmittelverschwendung einen Korb geben

Viel zu viel Essen landet in der Mülltonne. Allein in Deutschland gelangen jährlich etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Abfall. Das Prinzip foodsharing hilft, noch verzehrbare Lebensmittel zu retten.

Was ist foodsharing?

Der Gedanke des foodsharing (eng. für „Lebensmittel teilen“) hat eine lange Tradition. Blieb beim sonntäglichen Familienessen etwas übrig, so wurden die Reste eingepackt und den Familienmitgliedern, die das Haus später verließen, mitgegeben. Rückte der Urlaub näher und der Kühlschrank war noch nicht leer, so freuten sich die Nachbarn über kostenlose Lebensmittel. Kurz: Es wurde geteilt!
Mittlerweile ist „Sharing“ ein Trend, der sich durch alle Bereiche unseres Lebens zieht. Vom „Car-sharing“ bis hin zum Teilen unserer persönlichen Erlebnisse in den sozialen Medien.
Da scheint die Entwicklung einer Plattform, mit der Lebensmittel gut organisiert geteilt werden können, ein logischer Schritt. Die Idee dazu wurde 2012 als Crowdfunding-Projekt unter anderem vom Regisseur des Filmes „Taste the waste“, Valentin Thurn, ins Leben gerufen. Ziel war es, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Privathaushalte und Unternehmen können auf foodsharing.de unverkäufliche oder übriggebliebene, noch essbare Lebensmittel kostenlos zur Abholung anbieten. Der dazu gegründete Verein foodsharing e.V. arbeitet ausschließlich mit einem Netzwerk ehrenamtlicher Helfer und verfügt mittlerweile über etwa 3000 Kooperationen mit verschiedenen Betrieben. Helfer, sogenannte „Foodsaver“, holen die Produkte bei Bäckereien, Supermärkten, Wochenmärkten, Gastronomen und Lebensmittelbetrieben ab und verteilen sie an Freunde, Vereine, Suppenküchen, andere Verteilstationen oder über die foodsharing-Homepage. Für Privathaushalte bietet die Plattform die Möglichkeit ihre übriggebliebenen Lebensmittel in Form eines virtuellen Einkaufskorbes zur Abholung anzubieten. Zusätzlich sind – meist in Großstädten – an verschiedenen öffentlich zugänglichen Punkten, Regale und Kühlschränke, die sogenannten „Fair-Teiler“, aufgestellt.

Wie sicher ist foodsharing?

Um den bedenkenlosen Verzehr der „geteilten“ Lebensmittel zu gewährleisten, unterliegt das foodsharing gewissen Regeln. Selbst zubereitete Speisen sowie Produkte mit einem Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis…“) dürfen nicht angeboten werden. Auch die „Fair-Teiler“ müssen gewisse hygienische Standards erfüllen.
Anders als bei den Tafeln dürfen beim foodsharing auch Lebensmittel mit einem abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum geteilt werden.
Grundsätzlich gilt: Es darf nur das geteilt werden, was selbst auch noch verzehrt werden würde.

Warum foodsharing?

Von der Ernte, über die Verarbeitung und den Handel, bis hin zum Endverbraucher werden in Deutschland laut einer Studie des BMEL jährlich etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Laut Schätzungen sind aber über die Hälfte hiervon noch verzehrfähig.
Allein in Privathaushalten landen etwa 82 kg Lebensmittel pro Person und Jahr im Müll, für die dadurch viele Ressourcen bei der Produktion, der Verarbeitung und beim Transport vergeudet werden.
Neben der ethischen Problematik, schont eine Vermeidung dieser Abfälle auch unser Klima (CO2-Einsparung durch geringere Lebensmittelproduktion). Wer weniger wegwirft, spart auch unmittelbar Geld. Pro Person und Jahr sind das statistisch etwa 235 Euro.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg werden jedes Jahr rund um die Nachhaltigkeitstage verschiedene Aktionen unter dem Motto „Restlos genießen“ durchgeführt, um das Bewusstsein der Bürger für das Thema Lebensmittelverschwendung zu schärfen.

Tipps:

  • Beim Planen Ihrer Einkäufe helfen Einkaufslisten und das regelmäßige Sichten von Vorräten. So kaufen Sie wesentlich gezielter ein.
  • Durch optimale Lagerung können Sie unnötige Lebensmittelabfälle vermeiden.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein wichtiger Hinweis für die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Es dient jedoch lediglich als Orientierung. Vertrauen Sie auf Ihre Sinne und überprüfen Sie das Lebensmittel vor dem Verzehr.
  • Bleibt bei einer Mahlzeit etwas übrig, sind die Reste am nächsten Tag schnell aufgewärmt. Ein wöchentlicher „Restetag“, an dem Sie alle Reste zusammen verarbeiten, bringt leckere und manchmal überraschend neue Gerichte auf den Tisch.
  • Und haben Sie doch einmal wieder zu viel eingekauft, so schont jedes foodsharing – ob über die Plattform, mit dem Nachbarn oder den Bürokollegen – kostbare Ressourcen.

Viele weitere hilfreiche Tipps und Informationen sind auf der Homepage der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zusammengestellt.
Die Broschüre „Gut zu wissen – Nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln“ kann kostenfrei auf der HeldeN!-Homepage des Landes Baden-Württemberg bestellt werden.

Foodsharing für unterwegs

Auch in der Außer-Haus-Verpflegung ist Lebensmittelverschwendung ein Thema. Laut Umweltbundesamt landen über diesen Weg jährlich 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Das entspricht etwa 23,6 kg pro Person. Doch auch hier gibt es hilfreiche Ansätze: Waren bei einem Gast die Augen größer als der Mund, kann er seine Reste mit nach Hause nehmen, beispielsweise in der nachhaltig produzierten HeldeN!-Box aus der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württembergs. Wurden an einem Tag zu viele Mahlzeiten zubereitet, kann der Gastronom diese über verschiedene Plattformen wie toogoodtogo.de oder resq-club.com stark preisreduziert anbieten.

Lebensmittel sorgen für unser Leben und sollten daher respektvoll behandelt werden. Mit foodsharing kann jeder seinen Alltag ganz leicht etwas nachhaltiger gestalten.

Weiterführende Links:
www.foodsharing.de
www.tastethewaste.com
www.zugutfuerdietonne.de
www.n-netzwerk.de
www.heldenshop-bw.de
www.toogoodtogo.de
www.resq-club.com

Quellen:
www.nachhaltigkeitsstrategie.de/erleben/projekte/helden-box.html (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Initiative Zu gut für die Tonne, BMEL (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Das kostet nicht die Welt, greenpeace (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
www.zugutfuerdietonne.de (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Eine Party gegen die Verschwendung, Süddeutsche Zeitung (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Man kann Wegwerfen sehr wohl verbieten, Deutschlandfunk Kultur (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Studie über Lebensmittelabfälle in Deutschland, Universtität Stuttgart (zuletzt abgerufen 21.07.2017)
Das große Wegschmeissen, WWF (zuletzt abgerufen 21.07.2017)

Autorin: Nicole Czarnecki
Bildautor: A. Huerta

Wo 07/2017

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