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  • 04.05.2017

Fruchtzuckerunverträglichkeit - wenn Obst den Darm belastet

Obst ist einer der Hauptbestandteile einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Wenn jedoch ein Schluck Orangensaft oder ein Stück Apfel Bauchkrämpfe und Blähungen verursachen, kann eine Fruchtzuckerunverträglichkeit vorliegen.

Warum wird Fructose nicht vertragen?

Zwei unterschiedliche Störungen im Fructosestoffwechsel können eine Unverträglichkeit des Einfachzuckers Fructose, auch Fruchtzucker genannt, verursachen:

Bei einer intestinalen Fructoseintoleranz, auch Fructosemalabsorption genannt, besteht ein Defekt im Transportsystem des Dünndarms. Fruchtzucker, der naturgemäß in Obst- und Gemüse enthalten ist, kann nur begrenzt oder gar nicht aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen werden und gelangt in großen Mengen in den Dickdarm. Dort wird er von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren sowie zu Gasen wie Wasserstoff und Kohlendioxid verstoffwechselt. Diese können unter anderem Beschwerden in Form von Blähungen und Durchfall verursachen. Da der Zuckeralkohol Sorbit den gleichen Transportweg wie Fructose benutzt, hemmt er die Fructoseaufnahme in den Körper und verstärkt somit die Beschwerden.

Die Fruchtzuckerunverträglichkeit kann bereits im Laufe der Kindheit auftreten und sich später wieder normalisieren. Tritt sie erst im Erwachsenenalter auf, bleibt sie oft ein Leben lang bestehen.

Sehr selten ist die hereditäre (erbliche) Fructoseintoleranz (HFI). Hierbei handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselerkrankung durch einen Enzymmangel. Die Fructose reichert sich in der Leber an, was zur lebensbedrohlichen Vergiftung führen kann. Die Erkrankung tritt meist bereits im Säuglingsalter auf, wenn den Kindern Beikost gefüttert wird. In diesem Fall ist eine lebenslange fructosefreie Diät erforderlich.

Welche Symptome treten auf?

Das Beschwerdebild einer Fruchtzuckerunverträglichkeit ist von Person zu Person unterschiedlich. Die Leitsymptome sind meist Bauchschmerzen und Durchfall. Auch Übelkeit, Völlegefühl und Bauchschmerzen können auftreten. Daher können sie leicht mit anderen Verdauungsstörungen wie dem Reizdarmsyndrom verwechselt werden. Bei manchen Betroffenen kommen depressive Verstimmungen hinzu. Dabei spielen unter anderem die aufgenommenen Fructosemenge, die individuelle Toleranzschwelle und die Darmflora eine Rolle. Psychische Belastungen und welche Lebensmittel ansonsten verzehrt werden, beeinflussen ebenfalls die Symptome.

Meist haben die Patienten einen langen Leidensweg hinter sich bis zur richtigen Diagnose. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung kommen. Die Beschwerden nehmen weiter zu und die Funktion des Magen-Darm-Trakts kann sich verschlechtern. Möglicherweise ist durch die Erkrankung auch die Versorgung mit Zink und Folsäure unzureichend.

Etwa 30 Prozent der europäischen Bevölkerung sind von einer Fruchtzuckerunverträglichkeit betroffen, die Dunkelziffer liegt aufgrund der vielen Fehldiagnosen vermutlich deutlich höher.

Wie wird die Fruchtzuckerunverträglichkeit diagnostiziert?

Bei begründetem Verdacht kann der Arzt einen Wasserstoffatemtest veranlassen. Dabei wird dem Patienten in nüchternem Zustand eine konzentrierte Fructoselösung verabreicht. Die im Dickdarm entstehenden Abbauprodukte der Fructose fallen in hohen Konzentrationen an und werden anschließend teilweise über die Lunge abgeatmet. Steigt die Konzentration des Wasserstoffs in der Atemluft über einen bestimmten Grenzwert an, liegt eine Fructosemalabsorption vor. Zusätzlich ist ein Symptom- und Ernährungsprotokoll hilfreich.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Mit einer Ernährungsumstellung lassen sich die Beschwerden einer Fructosemalabsorption rasch und langfristig verbessern. Ein dauerhafter Verzicht auf Obst und Süßes ist nicht nötig. Vielmehr geht es darum, Lebensmittel so zu kombinieren, dass der Zucker keine Beschwerden verursacht. Welche Lebensmittel die Betroffenen vertragen, können sie am besten zusammen mit einer Ernährungsfachkraft herausfinden.

Um die Fructosemenge auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, hat sich ein schrittweises Vorgehen in drei Stufen als sinnvoll erwiesen:

1.Karenzhase:
Durch eine streng fructose- und sorbitarme Kost für 2-4 Wochen bessern sich die Beschwerden spürbar.

2.Testphase:
Ist der Darm zur Ruhe gekommen, kann der Betroffene nach und nach wieder fructosearme Lebensmittel essen und somit testen, welche Lebensmittel er verträgt. Am besten werden neue Lebensmittel immer erst in kleinen Portionen ergänzt. Diese Phase ist äußerst wichtig, da nur so die individuelle Toleranzgrenze feststellbar ist

 

3. Dauerphase:
Mit den Erfahrungen aus der Testphase kann nun eine individuelle, konstante Ernährung gefunden werden, die für den Betroffenen verträglich, ausgewogen und nährstoffreich ist. Dabei wird der Fructosegehalt der Kost langsam wieder erhöht, denn wer zu lange Fructose meidet, verträgt mit der Zeit immer weniger.

 

Ernährungstipps bei Fructoseunverträglichkeit:

  • Obst zählt zwar zu den kritischen Lebensmitteln bei einer Fructosemalabsorption, aber Betroffene müssen darauf nicht dauerhaft verzichten. Bananen, Litchi, Papaya und Rhabarber sind fructosearm. Auch andere Obstarten wie Beeren, Sauerkirschen oder Melone können teilweise in Kombination mit Milchprodukten, z. B. als Obstquark, verträglich sein.

  • Fructose steckt nicht nur in Obst und Gemüse sowie daraus hergestellte Produkte, sondern auch in Honig und Haushaltszucker (Saccharose). Auch Getränke, Back- und Süßwaren oder Müsliriegel können mit Fructose gesüßt sein. Da hilft der Blick auf die Zutatenliste.

  • Lebensmittel, die gleichzeitig Traubenzucker (Glucose) enthalten, sind weniger problematisch, denn Glucose kurbelt den Transport von Fructose im Darm an. Sind beide Zuckerarten im passenden Verhältnis enthalten (z.B. in Bananen und Brokkoli), werden die Lebensmittel häufig besser vertragen. Fructose lässt sich übrigens durch Traubenzucker ersetzen, beispielsweise beim Backen oder Süßen von Nachspeisen.

  • Auf Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit sollte verzichtet werden. Sorbit ist in Kaugummi und vielen Diätprodukten enthalten, kommt aber auch natürlich in Lebensmitteln vor, beispielsweise in Pflaumen und Birnen. Süßstoffe werden übrigens vertragen.

  • Vorsicht bei Glucosesirup. Dieser wird oft mit Fruchtzucker angereichert, um die Süßkraft zu erhöhen.

  • Bei Heißhunger auf etwas Süßes sind Bonbons mit Traubenzucker oder dunkle Schokolade eine gute Alternative.

  • Generell sind fructosehaltige Lebensmittel morgens auf nüchternen Magen nicht so gut verträglich. Betroffene testen neue Lebensmittel daher besser tagsüber.

  • Grobe Vollkornbrote, Kohlgemüse oder Hülsenfrüchte sollten nur langsam und vorsichtig wieder eingeführt werden, da sie den Darm besonders fordern.

  • Nicht nur Lebensmittel, auch Hygieneartikel wie Zahnpasta, Arzneimittel und Infusionslösungen können Fructose enthalten.

  • Grundsätzlich gilt: Erlaubt ist, was bekommt.

 

Niedriger Fructosegehalt
Hoher Fructosegehalt

Milch, Sahne, Joghurt, Buttermilch, Schnittkäse, Molke

Obst allgemein

alle Sorten Fleisch und Fisch, Eier

Trockenfrüchte (Müsli mit Trockenfrüchten)

alle pflanzlichen und tierischen Fette

Fruchtsäfte, Softdrinks

alle Getreidearten

zuckerfreie Kaugummis

Kartoffeln in jeder Zubereitung

Würzsaucen, Ketchup, Tomatenmark

bestimmte Gemüsearten(Aubergine, Blumenkohl, Gurke, Spargel, Spinat, Tomate, Zucchini, Brokkoli)

Konserven mit Fructose bzw. Sorbit

 

bestimmte Obstsorten(Avocado, Banane, Papaya)

Honig

alle Nüsse und Samen

Diätprodukte mit Zuckeraustauschstoffen


Quellen:

Schäfer, Christiane; Kamp, Anne: Köstlich essen. Fruktose, Laktose & Sorbit vermeiden. TRIAS Verlag, 2015

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Essen und Trinken bei Fructose-Malabsorption. Bonn, 2. Aufl., 2016

http://www.daab.de/ernaehrung/fruchtzucker-unvertraeglichkeit/

https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/fruktosemalabsorption-wenn-fruchtzucker-fuer-unruhe-sorgt/, Zugriff am 09.01.2017

http://www.apotheken-umschau.de/fruchtzuckerunvertraeglichkeit, Zugriff am 09.01.2017



Autorinnen: Saskia Kotzanek, Dr. Claudia Müller

Bildautorin: Friederike Wöhrlin

 

B0 03/17



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