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Gesundheit & Hygiene
  • 24.04.2014

Gluten als Auslöser von Beschwerden

Gluten_F. Wöhrlin

Eine Umstellung des Speiseplans auf glutenfreie Kost ist nur sinnvoll, wenn nachgewiesen ist, dass Gluten die Beschwerden auslöst. Grundsätzlich können glutenhaltige Getreideprodukte bei Zöliakie, Weizenallergie und Glutensensitivität eine Rolle spielen.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Eiweißstoff, der in den heimischen Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Auch Dinkel, Kamut und Emmer als Urformen des Weizens sowie Grünkern enthalten Gluten.

Zöliakie: Gluten lebenslang meiden

Bei Zöliakie handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten hervorgerufen wird. Ca. 1% der Bevölkerung ist von dieser Autoimmunerkrankung betroffen. Bereits kleinste Mengen Gluten schädigen die Dünndarmschleimhaut. Infolgedessen leidet die Nährstoffaufnahme durch den Darm und die Nahrung wird nicht mehr vollständig verdaut. Magen-Darm-Beschwerden können auftreten, aber auch andere unspezifische Symptome wie Eisenmangel, Fruchtbarkeitsstörungen oder Zahnschmelzdefekte. Diagnostiziert wird Zöliakie durch den Nachweis von zöliakiespezifischen Antikörpern der Klasse Ig A im Blut sowie eine feingewebliche Untersuchung der Dünndarmschleimhaut. Die einzige Therapie ist eine lebenslange strikt glutenfreie Kost, wodurch sich die Darmschleimhaut wieder regeneriert.

Umfassende Informationen zur Zöliakie erhalten Sie bei der Deutschen Zöliakiegesellschaft: www.dzg-online.de.

Weizenallergie: Weizen streichen, aber grünes Licht für Roggen, Gerste und Hafer

Lediglich 0,1-0,5% der Bevölkerung sind von einer „echten“ Nahrungsmittelallergie auf Eiweißbestandteile des Weizenglutens betroffen. Wie bei jeder Allergie ist die Konzentration an allergiespezifischen IgE-Antikörpern im Blut erhöht. Typische Beschwerden machen sich in der Regel direkt nach dem Verzehr von Weizenprodukten an Atemwegen, Haut oder Magen-Darm-Trakt bemerkbar. Weizenallergiker müssen sich weizenfrei aber nicht glutenfrei ernähren, denn Roggen, Gerste und Hafer werden gut toleriert.

Rat und Hilfe bei Allergien bietet der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V.: www.daab.de

Glutensensitivität: zeitweiser Verzicht auf Gluten sinnvoll

Dieses erst Ende 2012 definierte Beschwerdebild wird korrekt als Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität bezeichnet. Es gibt demnach eine Reihe von Patienten, bei denen weder Zöliakie noch Weizenallergie vorliegen, die aber mit denselben Symptomen reagieren. Die  Beschwerden verschwinden bei Einhaltung einer glutenfreien Diät. Von einer Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität sollen etwa 6% der Bevölkerung betroffen sein. Die Diagnose erfolgt derzeit auf Basis einer Ausschlussdiagnostik. Ein langfristiger Verzicht auf glutenhaltige Getreideprodukte ist in der Regel nicht erforderlich. Um die Beschwerden in den Griff zu bekommen ist eine vorübergehende Einschränkung häufig ausreichend. Bessern sich die Symptome unter einer glutenfreien Kost nicht, handelt es sich nicht um eine glutenabhängige Unverträglichkeit. In diesen Fällen sollten die Patienten abklären lassen, ob eine Zuckerverwertungsstörung vorliegt, also eine Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption.

Glutenfreie Lebensmittel: Wer braucht sie wirklich?

Glutenfreie Lebensmittel wie Brot, Müslis, Nudeln oder Kekse erobern die Supermärkte und stehen bei vielen Verbrauchern hoch im Kurs. Diese meist teureren Speziallebensmittel sind nicht „gesünder“ als normale Lebensmittel. Lediglich Personen mit der Darmerkrankung „Zöliakie“ müssen auf eine konsequent glutenfreie Ernährung achten. Für alle anderen bieten glutenfreie Produkte keinen gesundheitlichen Vorteil.

Quellen:

  • http://www.gmf-info.de/mehlreport22_fachinterview-dieterich.pdf , Zugriff am 03.04.2014
  • Ute Körner „Glutensensitivität“, Ernährungs-Umschau, 9/2013, M519-M523
  • Beratungsleitfaden für Ernährungsfachkräfte, Deutsche Zöliakiegesellschaft, 2014
  • „…Frei von Gluten, Fragen und Antworten“, aid-Infodienst, 2013

Autorin: Barbara Rustler
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 04/14

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