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Knallbunte Früchstückscerealien
  • 29.03.2018

Kunterbunt! Auch gesund? – Kinderlebensmittel unter der Lupe

Ob Frucht-Quetschie, Kindermilch oder Bambini-Menü – kunterbunte Kinderlebensmittel sprießen aus den Supermarktregalen wie Pilze aus dem Boden. Tut man damit den Kleinen etwas Gutes?

Kinderlebensmittel sind „kindgerecht“ konzipiert und kommen durch ihre bunte, auffällige Aufmachung in Tierchenform oder mit lustigen Geschenken bei den Minis gut an. Auch Eltern greifen gerne zu, denn laut Herstelleraussagen ist die Zusammensetzung ja schließlich „genau an die Bedürfnisse der Kinder angepasst“ und oft sind wertvolle Nährstoffe als „Extraportion“ zugesetzt. Sind solche Produkte also für die kindliche Entwicklung von Vorteil?

Von Kindermilch bis Quetschie: zu viel von allem?

Mittlerweile gibt es eine riesige Produktpalette speziell für die Kleinen. In den meisten Fällen zeigt sich, dass die Produkte keineswegs optimal für Kinder geeignet sind. Im Vergleich zu den natürlichen Originalen schneiden die künstlich angereicherten Kids-Produkte in jeglicher Hinsicht schlechter ab. Sie enthalten meist zu viel Zucker, zu viel minderwertiges Fett, zu viel Salz und zu viele Zusatzstoffe.
Auf dem Etikett ist die tatsächliche Zuckermenge für Laien meist nicht erkennbar, denn für den Begriff „Zucker“ gibt es zahlreiche Synonyme – von Fruchtsüße bis Dextrose. Dabei wird Fruchtsüße nicht aus natürlichen Früchten, sondern industriell aus Stärke gewonnen. Wahre Zuckerbomben sind zum Beispiel Obstbreie zum Trinken aus der Plastiktüte, sog. Quetschies. Ihr Verzehr hat weitreichende Folgen: Durch das Dauernuckeln und die dickflüssige Konsistenz, kann der Zucker zusammen mit den Fruchtsäuren die Zähne besonders gut angreifen. Das fehlende Kauen hat sogar Einfluss auf die Sprachentwicklung. Auch beim Fett – und zwar sowohl quantitativ als auch qualitativ – entsprechen viele Kinderlebensmittel nicht den Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung. Oft überwiegt der Anteil an ungünstigen, gesättigten Fetten, an „gehärteten“ Fetten und Transfettsäuren. Auch die oft zugesetzten Aromen, Geschmacksverstärker, Farb- und Konservierungsstoffe, die für die Konsistenz, den Geschmack und die Haltbarkeit sorgen, werden von Ernährungsexperten kritisch betrachtet.

Extraportion Vitamine = extra gut?

Ist denn wenigstens die häufig zugesetzte und umworbene „Extraportion“ Vitamine und Mineralstoffe wertvoll? Die Antwortet lautet ganz klar: Nein! Nur weil die Anreicherung mit Nährstoffen (vor allem Calcium, Eisen, Vitamin D) bei Kinderlebensmitteln weit verbreitet ist, bedeutet das nicht, dass sie auch sinnvoll ist. Ganz im Gegenteil: Über angereicherte Lebensmittel ist die Nährstoffzufuhr kaum zu kontrollieren, somit besteht sogar die Gefahr einer Überdosierung. Daher gilt: auch mit Vitaminen angereichert sind diese Produkte keine Nährstofflieferanten, sondern Süßigkeiten.

Von Experten abgelehnt, von Kindern geliebt

Die Fachgesellschaften sind sich einig: Aus gesundheitlicher Sicht sind Kinderlebensmittel unnötig und bei regelmäßigem Verzehr sogar teilweise bedenklich. Außerdem sind sie teuer, verursachen Müllberge und verderben den Geschmackssinn. Kinder brauchen nach dem ersten Lebensjahr keine „Extra-Wurst“, sondern nehmen optimalerweise am normalen Familienessen teil. Gerade in der frühen Kindheit werden Essgewohnheiten ausgebildet. In dieser Phase ist es sinnvoll, den Kleinen die Geschmacksvielfalt frischer Lebensmittel zu zeigen und nicht sie an Fertigprodukte zu gewöhnen.
Soviel zur Theorie. In unserer realen Lebenswelt sind die vielen bunten Packungen jedoch nicht mehr wegzudenken und somit praktisch unvermeidlich. Wie also damit umgehen? Komplett verbieten bringt wenig – denn das steigert bei den Kindern das Verlangen und bei den Eltern den Stresspegel. Beim Kauf sollten Eltern sich nicht von irreführenden Werbebotschaften verunsichern lassen, sondern stattdessen aufmerksam und kritisch die Verpackungshinweise, Mengeninformationen und vor allem die Altersangaben beachten.

Auf den richtigen Umgang kommt es an

Eine gute Idee ist es, die Produkte zu „strecken“, indem z.B. bunte Frühstückscerealien mit Müsli oder Kinderfruchtjoghurt mit Naturjoghurt gemischt und süße Getränke mit Wasser verdünnt werden. Snacks, die Kindern schmecken und Freude machen, können auch ganz einfach selbst hergestellt werden: Wie wär´s zum Beispiel ab und zu mit einem Smoothie, einem Eis oder einem Fruchtquark aus frischem Obst!? Wenn die Kleinen ihre eigenen Süßigkeiten selbst machen, werden sie diese umso mehr wertschätzen.
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit natürlichen Zutaten (Obst und Gemüse, Vollkornbrot und selbstgemachtem Haferbrei) ist das beste Mittel, damit Kinder gesund groß und stark werden. Extra-Produkte braucht es dazu nicht. Aber für ein bisschen mehr Spaß und ein bisschen weniger Stress zwischendurch darf es natürlich auch mal ein „Kids-Snack“ aus dem Regal vor der Supermarktkasse sein.

Autorin: Isabel Lück
Bildquelle: clipdealer.de

Quellen:

Wo 03/18

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