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verschiedene Babybreie
  • 03.08.2017

Vielfältige Beikost weckt Appetit auf Gemüse

Rund um den Globus wachsen Babys mit ganz verschiedener Beikost auf. Egal ob fermentierte Mais-Sorghumpaste wie in Nigeria, Hirsebrei mit Sauermilch wie im Senegal oder thailändischer Reisbrei mit Bananen: Babys können lernen, fast alles zu mögen, so lange ihre Eltern es ihnen vorleben.

Die Erfahrungen der ersten 1000 Tagen beeinflussen Kinder für den Rest ihres Lebens. Bei der Entwicklung eines ausgewogenen Essverhaltens spielen neben der Genetik kulturelle Erfahrungen eine wichtige Rolle. Studien zeigen: Säuglinge, die eine abwechslungsreiche Beikost erhalten, sind auch im späteren Leben bessere und unkompliziertere Esser. Einseitige, „monotone“ Ernährung bietet keinen Schutz vor Allergien und Problemen beim Essen. Babys sind viel flexibler als die Eltern meist denken!

Prägung beginnt schon vor der Geburt

Schon das Ungeborene lernt die Vorlieben der Mutter kennen. Schmeckt es zum Beispiel schon im Mutterleib Knoblauch, isst es noch Jahre später Speisen mit Knoblauch lieber als Vergleichskindern. Während der Stillzeit erreichen Aromen wie Knoblauch oder Anis die Muttermilch. Die Kinder gewöhnen sich an die Aromen, mögen sie noch als 4- bis 5-Jährige und schätzen sie sogar noch als Erwachsene mehr als Vergleichspersonen.

Eltern in Deutschland haben oft große Angst vor Allergien und füttern ihre Kinder häufig lange mit nur ganz wenigen Lebensmitteln. Im Nachbarland Frankreich geben die Mütter fast jeden Tag ein neues Gemüse und legen damit die Basis für einen vielfältigen Speisezettel.

Stillen plus Beikostvielfalt – die Mischung macht‘s

Die Kombination aus Stillen und früher Gemüsevielfalt in der Beikost ist am effektivsten, um die Akzeptanz für neue Geschmackserlebnisse zu erhöhen. Das zeigten Untersuchungen mit mehreren Hundert Kindern in Deutschland und Frankreich. Dabei ist es wichtiger, die Gemüsearten in kurzem Wechsel anzubieten, als insgesamt viele verschiedene Gemüsearten über jeweils mehrere Tage zu geben.

In Frankreich wird sehr viel Wert auf die Abwechslung schon zu Beginn der Beikost gelegt. Die frühen vielfältigen Geschmackseindrücke sorgen später für einen bunten Speisezettel. Die Vorlieben der Kinder mit 6 Monaten ließen sich auch im Alter von 2 Jahren – nach der Trotzphase – noch feststellen und sogar die Sechsjährigen probierten neugierig viel mehr aus einem Angebot von sechs Gemüsearten als diejenigen, die mit monotoner Beikost aufwuchsen.

Kinder lernen Gemüse zu mögen

Statistiken zeigen, dass die meisten Eltern neue Gemüsearten nur zwei- bis dreimal anbieten und wenn die Babys sie ablehnen oft gar nicht mehr. Doch Babys müssen unbekannte Gemüsearten erst genau kennenlernen, um sie zu mögen – da ist Geduld das Wichtigste.

In einer Studie wurden eine zunächst abgelehnte und eine bevorzugte Gemüseart an 16 Tagen täglich abwechselnd gefüttert. Einige Kinder aßen 5 bis 6 Tage fast nichts der abgelehnten Gemüseart. Danach begannen sie diese zu mögen und zu genießen. Nach 7- bis 8-maligem Anbieten des Essens war die Akzeptanz für beide Gemüsearten nahezu identisch. Die erhöhte Akzeptanz scheint anzuhalten, denn nach neun Monaten und nach 6 Jahren aßen und mochten die meisten Kinder noch immer das zunächst abgelehnte Gemüse.

Essen Sie gemeinsam und zeigen Sie Ihrem Kind, wie lecker das bunte Gemüse ist! Ermutigen Sie es frühzeitig unterschiedliches Gemüse und Obst zu probieren. Kinder lernen alles zu mögen – Artischocke in Frankreich und in Mexiko sogar einen Hauch Chili im Brei.

Autorin: Monika Radke, MLR

Quelle: Nach dem Vortrag „Vielfalt und Geschmacksprägung in der Kinderernährung – Unterschiedliche Herangehensweisen in Europa“ von Dr. Andrea Maier-Nöth bei der BeKi-Tagung „Kinderernährung aktuell“ am 18.07.2017 in Stuttgart.

Wo 08/17

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