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11.02.2016

Nachhaltiger Fischgenuss

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 1-2 Mal pro Woche Fisch. Besonders der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in fettreichem Seefisch und der Jodgehalt sind gute Gründe hierfür. Doch viele Fischarten sind in den letzten Jahrzehnten so stark befischt worden, dass ihr Bestand stark gesunken ist. Ein nachhaltig orientierter Konsum ist deshalb dringend erforderlich.

Die Überfischung der Weltmeere nimmt zu

Knapp 30 % der von der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, untersuchten Fischbestände, gelten als überfischt. Noch in den 1970er-Jahren galt das nur für ca. 10 % der Fische. Überfischt bedeutet, dass von einer Art mehr Tiere gefangen werden, als nachwachsen können. Der Bestand sinkt damit kontinuierlich. Wenig oder moderat genutzt werden nur noch 15 % der Bestände. Das waren 1970 noch ca. 40 %.

Die Gründe dafür sind zahlreich:

  • Zu hohe Fischquoten – Um die weltweit gestiegene Nachfrage nach Fischprodukten zu decken, sind die zugelassen Fangquoten noch immer höher, als für eine Erholung der Bestände vertretbar ist.

  • Illegale Fischerei – Die tatsächlich gefangenen Mengen sind schwer zu kontrollieren.

  • Beifang – Mit jedem Fang auf eine Fischart werden auch andere Meerestiere mit gefischt. Viele Fangtechniken nehmen nicht nur Speisefische auf, sondern alle Tiere, die sich in den Netzen verfangen und an den Haken hängen bleiben. Dadurch sinkt der Bestand von Meerestieren, wie Schildkröten, Haien oder Delphinen. Auch kleine Fische, die noch nicht zum Verkauf geeignet sind, enden als Beifang und werden der Nahrungskette entzogen. Der WWF (World Wide Fund For Nature) geht davon aus, dass 40 % aller Fänge nur Beifang ist.

Garantierte Nachhaltigkeit auf einen Blick zu erkennen

Um die Fischbestände zu schonen, muss man nicht aufhören Fisch zu essen. Es besteht die Möglichkeit, wildgefangenen Fisch aus garantiert nachhaltiger Fischerei auszuwählen. Das bekannteste Label hierfür ist das MSC-Siegel des Marine Stewardship Council. Die unabhängige internationale Organisation beurteilt Fischbetriebe nach Umweltstandards und zeichnet nachhaltige Unternehmen mit ihrem blauen Logo aus. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Fall, dass die Menge der gefischten Tiere und die eingesetzten Fangmethoden den Bestand der Fische und ihren Lebensraum auf Dauer nicht weiter gefährden. Bis jetzt kommen weltweit bereits fast 10 % der Fangmenge an Fisch und Meeresfrüchten aus Wildfang aus MSC-zertifizierten Betrieben. In Deutschland sind etwa 5600 Produkte mit dem MSC-Siegel ausgezeichnet. Damit gibt es in Deutschland weltweit die meisten zertifizierten Produkte.

Auch für Fisch aus Aquakulturen gibt es inzwischen Siegel, die auf eine umweltfreundliche Fischzucht hinweisen, wie die der Bioverbände Bioland und Naturland. Sie garantieren den Bio-Standard für Fisch aus Aquakulturen. Das Siegel von Friends of Sea wird sowohl an Wildfischereien als auch Aquakulturen vergeben. Die Organisation will damit zur Gesundheit der Ozeane durch Kontrollen und Förderungen von nachhaltigen Fischereipraktiken beitragen.

Seit 2010 kennzeichnet der Aquaculture Stewardship Council (ASC) Fisch und Meeresfrüchte aus verantwortungsvoller Zucht. Ziel ist es, die Auswirkungen der Aquakultur auf Umwelt und Gesellschaft zu verringern. Die unabhängige Organisation hat beispielsweise festgelegt, dass das Fischfutter zurück zu verfolgen sein muss und nicht von überfischten Beständen stammen darf. Inzwischen sind Pangasius, Tilapia, Lachs und Forellen sowie Garnelen und Muscheln mit ASC-Siegel erhältlich. Der Anteil an gezüchteten Fischen an der Fischerzeugung nimmt seit einigen Jahren rasant zu: Etwa die Hälfte des konsumierten Fischs stammt nach Angaben der FAO mittlerweile aus der Süßwasser- und Meereszucht, 1990 waren es lediglich 13 %.

Wer keine Produkte mit diesen Siegeln findet, kann sich an den WWF-Einkaufsratgeber für Fische & Meeresfrüchte halten. Der Ratgeber unterteilt Fisch aus den jeweiligen Fanggebieten in drei Kategorien: „Gute Wahl!“, „Zweite Wahl!“ und „Lieber Nicht!“.



Quellen: 

Autorin: Dr. Claudia Müller

 

ABa 02/16

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