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  • 11.10.2018
Digitalisierung vom Acker bis zum Mund

Ernährung 4.0: Digitalisierung vom Acker bis zum Mund

Lebensmittel einkaufen und verarbeiten, danach dokumentieren, was man gegessen hat – all dies lässt sich heute sekundenschnell per Handy und App erledigen. Doch sind diese vielen kleinen Hightec-Helfer wirklich immer sinnvoll und hilfreich? Die Digitalisierung im Bereich Ernährung ist bereits voll im Gange und bietet ungeahnte Chancen, strotzt aber auch vor manchen Herausforderungen.

Digitalisierte Landwirtschaft

Ernährung fängt auf dem Acker und im Stall an: Die digitale Intelligenz vieler landwirtschaftlicher Düngerstreuer weiß heute schon, wo wie viel Dünger notwendig ist und hilft dem Landwirt Dünger zu sparen. In Zukunft werden zunehmend Roboter die Handarbeit landwirtschaftlicher Arbeitskräfte ersetzen. Unkraut jäten bei 35 Grad in praller Hitze ist für einen Roboter kein Problem und kann chemische Pflanzenschutzmittel ersetzen. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Robotern die Bodenverdichtung durch schwere Schlepper verhindert. Die Auswertung der Daten aus dem Melkroboter erleichtert dem Landwirt Krankheiten frühzeitig zu erkennen und seine Kühe gesund zu erhalten.

Auch im Lebensmittelhandel lässt sich die Digitalisierung nicht mehr wegdenken. Zahlreiche Apps auf verpackten Lebensmitteln zeigen dem Verbraucher heute schon via Smartphone welche Inhaltsstoffe sich in dem Produkt verbergen und ob es für seine glutenfreie Ernährung geeignet ist. Berufstätige mit wenig Zeit bestellen heute bereits online, in Zukunft kann der Einkauf vollautomatisch über die künstliche Intelligenz des Kühlschranks gesteuert werden.

Billiger, aber auch sicher?

Egal ob Landwirtschaft oder Lebensmittelhandel, die Vorteile der Digitalisierung sehen die Experten in erster Linie in der Kostenersparnis. Digitale Prozesse sparen Zeit und Personal. Erntehelfer und Kassenpersonal, welche eh schwierig zu bekommen sind, müssen erst gar nicht eingestellt werden.
Zu den großen Schattenseiten der Digitalisierung zählt der Datenschutz. In den meisten Fällen ist für den Anwender und Kunden nicht klar geregelt, was mit seinen Daten passiert, die er bei der Nutzung digitaler Dienste, preisgibt. Zum anderen weisen Kritiker auf ethische und soziologische Folgen hin. Mehr Technik heißt, weniger Kontakt zu Menschen. Dies führt zur Vereinsamung und mindert die Wertschätzung von uns Menschen.

Essen ist sinnlich

Bei der Nahrungsaufnahme selbst stößt die Digitalisierung an ihre Grenzen. Essen ist eine Sinneserfahrung, die sich technisch nur schwerlich ersetzen lässt. Bereits das Riechen an einer reifen Melone oder der Drucktest mit den eigenen Fingern bei einer Aprikose verbindet den Verbraucher mit den Lebensmitteln. Später beim Kochen und Essen riecht er und schmeckt er die unterschiedlichen Düfte und Aromen. Kein Roboter kann ihn hier ersetzen. Der Mensch als emotionales Wesen liebt Sinneserfahrungen und vertraut diesen mehr als technischen Informationen. Daher lassen sich Ernährungsinformationen am glaubwürdigsten über sinnliche Erfahrungen weitergeben. Kochkurse im Rahmen einer Ernährungsumstellung zum Beispiel führen beim Verbraucher zu einer nachhaltigeren Verhaltensänderung als bloße Vorträge.

Ernährungsberatung via App

100.000 Gesundheits-Apps wie Schrittzähler, Trink-Erinnerer oder Rezepte-Apps gibt es bereits auf dem Markt. Sie helfen dem Verbraucher, mehr für seine Gesundheit zu tun. Im Bereich Ernährung unterstützen sie eine Verhaltensänderung, indem sie wertvolle Informationen liefern, motivieren und die Ernährung protokollieren. Eine Ernährungsberatung ersetzen sie jedoch nicht. Im Idealfall kann der Ernährungsberater über eine Berater-Software auf die Daten seines Klienten zugreifen und diese dann kommentieren und vor Ort besprechen. Das Angebot an Ernährungs-Apps wächst stetig. Allerdings gibt es bislang keine Qualitätssiegel. Auch das Datenschutzproblem bleibt ungelöst. Siehe Landwirtschaft und Einzelhandel.


Autorin: Maria Hufnagl
Foto: clipdealer.de

Quelle: 25. Ernährungsfachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an der Universität Hohenheim am 20. September 2018.

Se 10/2018

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