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Schwangere und Gemüse
  • 12.10.2017

Dicke Mama, dickes Kind?

Die Weichen für Übergewicht werden sehr früh gestellt. Ging man früher davon aus, dass die Ernährung der ersten 1.000 Tage im Leben eines Menschen das spätere Körpergewicht beeinflussen, so wissen Wissenschaftler heute, dass bereits die Zeit vor der Empfängnis einen Einfluss hat. Ist die Mutter beim Eintritt in die Schwangerschaft übergewichtig, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch das geborene Kind dick sein wird. Und nicht nur das: Aus dem dicken Kind wird später auch leicht ein übergewichtiger Erwachsener.

„In einer Zeit, in der die Zahl der Übergewichtigen von Jahr zu Jahr steigt, ist dieses Wissen von großer Bedeutung”, so der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Berthold Koletzko auf der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) am 21. September in Stuttgart-Hohenheim. Denn je früher begonnen wird, desto effektiver lässt sich Übergewicht verhindern. Er rät Frauen mit Kinderwunsch, möglichst mit einem normalen Gewicht in eine Schwangerschaft zu gehen. Für die Zeit der Schwangerschaft empfiehlt der erfahrene Mediziner: „Essen Sie nicht für zwei, sondern denken und bewegen Sie sich für zwei.”

Abwechslung in Schwangerschaft und Stillzeit

Kinder mögen später die Lebensmittel, die sie bereits als Ungeborene im Mutterleib kennenlernt haben. Vor diesem Hintergrund sollten werdende Mütter darauf achten, dass ihr Speiseplan möglichst abwechslungsreich ist. Zum Beispiel: Je mehr Gemüsesorten Kinder bereits vor der Geburt kennen gelernt haben, desto offener greifen sie später am Familientisch nach unterschiedlichem Gemüse.

Wenig helfe es, auf häufige Allergieauslöser wie Milch- oder Weizenprodukte in der Schwangerschaft zu verzichten, um einen späteren Ausbruch einer Allergie zu vermeiden. Neue Studien belegen keinen Nutzen einer solchen Askese. Lediglich Eltern mit Allergien sollten die bekannten Allergieauslöser bereits in der Schwangerschaft meiden. Für alle anderen gilt auch hier: Abwechslung ist die beste Medizin. Selbst Fisch solle in der Schwangerschaft regelmäßig verzehrt werden.

Muttermilch ist die beste Nahrung

Wissenschaftler sind sich einig: Stillen ist die beste Nahrung für das Kind. Viele Studien belegen, dass, je länger ein Kind gestillt wird, desto seltener wird es später übergewichtig. Prof. Berthold Koletzko berichtet: „Ein gestilltes Kind wächst anders. Am Anfang legt es schnell an Gewicht zu, später weniger. Nach zwölf Monaten ist ein gestilltes Kind leichter als ein ungestilltes Kind.” Stillen wirkt aber nicht nur vorbeugend gegen Übergewicht, es bietet auch Schutz vor späterem Diabetes mellitus Typ 1 und vor Hauterkrankungen.

Beikost: nicht zu früh, nicht zu spät

Zur Einführung der Beikost sind die Empfehlungen innerhalb Europas mittlerweile einheitlich: Die Beikost mit dem Löffel sollte ein Kind frühestens mit 17 Wochen erhalten; mit 26 Wochen sollte sie allerspätestens eingeführt werden. Gluten sollte nicht vor dem 5. Lebensmonat gegeben werden und, wenn möglich, in kleinen Mengen. Ein späteres Auftreten der Krankheit Zöliakie könne so bei erblicher Vorbelastung hinausgezögert, jedoch nicht verhindert werden.

In keiner anderen Lebensphase interessiert sich eine Frau mehr für Ernährungsthemen als in der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt ihres Kindes. Deshalb ist es gerade hier wichtig, jungen Familien Unterstützung anzubieten. Beim Netzwerk „Gesund ins Leben” im Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in Bonn können alle wichtigen Informationen rund um Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderernährung kostenlos angefragt werden. Auf www.gesund-ins-leben.de gibt es sachlich fundierten Informationen in Form von Flyern oder Apps für die Praxis im Alltag.

Autorin: Maria Hufnagl

Quelle: 24. Ernährungsfachtagung der DGE-BW e.V. am 21. September 2017 zum Thema „Perinatale Programmierung – Wie bestimmt die Ernährung der Schwangeren und des Kleinkindes das spätere Leben?“ in Hohenheim.

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