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  • 20.09.2012

Jod – Zu wenig, zu viel oder doch gut versorgt?

jodhaltige Lebensmittel_F. Wöhrlin

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Eine ausreichende Jodversorgung ist daher wichtig für eine gesunde Entwicklung. Inzwischen führen allerdings Diskussionen über Jodmangel auf der einen Seite und zu viel Jod in der Nahrung andererseits immer wieder zu Unsicherheiten.

Wieso ist Jod so wichtig für den Menschen?

Jod ist für eine normale Schilddrüsenfunktion bedeutend. Das Spurenelement ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die zahlreiche Stoffwechselvorgänge regulieren. So steuern sie beispielsweise das Wachstum und den Grundumsatz. Im Kindesalter unterstützen diese Hormone die altersentsprechende körperliche Entwicklung sowie die Reifung des Gehirns und die damit verbundene intellektuelle Leistungsfähigkeit. Aber auch die Fruchtbarkeit von Mann und Frau, die normale Entwicklung des Kindes im Mutterleib und das seelische Befinden werden durch die Schilddrüsentätigkeit beeinflusst.

Welche Folgen hat ein Jodmangel?

Enthält die Nahrung nicht genügend Jod, versucht der Körper dies zunächst auszugleichen, indem sich die Schilddrüsenzellen vergrößern und vermehren. Äußerlich sichtbar wird diese Schilddrüsenvergrößerung als Kropf oder Struma bezeichnet. Bei länger bestehendem Kropf verändert sich das Schilddrüsengewebe. Es kommt zur Knotenbildung. In „kalten Knoten“ verlieren die Zellen ihre Funktion und produzieren keine Hormone mehr. In „heißen oder auch autonomen Knoten“ sammeln sich noch aktive Schilddrüsenzellen. Die Schilddrüsenhormonbildung erfolgt aber unabhängig vom Hormonbedarf. Daher kommt die Bezeichnung „autonome Knoten“ oder „Schilddrüsenautonomie“. Autonome Knoten können Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion sein: Die Schilddrüse produziert dann zu viele Hormone, was unter anderem zu Gewichtsverlust, Ruhelosigkeit, einem beschleunigten Puls, Zittern, Durchfälle sowie übermäßigem Schwitzen führt.
Produziert die Schilddrüse trotz Vergrößerung nicht mehr ausreichend Hormone, liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse vor. Diese Krankheit beeinträchtigt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und äußert sich z. B. durch eine erhöhte Infektanfälligkeit, Veränderungen von Haut und Haaren sowie Darmträgheit.

Wie viel Jod braucht der Mensch?

Der Jodbedarf ist im Verlauf des Lebens verschieden hoch. Die benötigte Jodmenge richtet sich nach Alter, Wachstum und Entwicklung, Kalorienumsatz und nach besonderen Stoffwechselanforderungen wie Schwangerschaft und Stillzeit. So ist der Bedarf bei Schwangeren (260 Mikrogramm/Tag) erhöht. Im Erwachsenenalter liegt der Bedarf zwischen 180 - 200 Mikrogramm.

Warum gibt es in Deutschland eine Jodprophylaxe?

Durch Auswaschungen während der letzten Eiszeit enthalten die Böden hierzulande nur sehr wenig oder gar kein Jod. Dadurch fehlt dieses Spurenelement in der tierischen und menschlichen Nahrung. Lediglich Seefisch und Meeresfrüchte sind aufgrund des natürlichen Jodgehalts der Meere jodreich.
Um das Joddefizit auszugleichen, wird die Verwendung von jodiertem Speisesalz (Jodsalz) empfohlen. Durch Jodsalz und Lebensmittel mit Jodsalz wird das Spurenelement in physiologischen, d. h. stoffwechselrelevanten Mengen zugeführt. In Deutschland darf Jodsalz seit 1989 universell – aber freiwillig – eingesetzt werden. Auf verpackten Lebensmitteln und Fertiggerichten muss Jodsalz gekennzeichnet werden. Bei losen Waren beispielsweise bei Brot oder Wurst sollte man beim Bäcker oder Fleischer nachfragen. Die Jodzufuhr hat sich zwar in den letzten Jahren verbessert, aber nach wie vor besteht ein milder Jodmangel in Deutschland.

Kann man zu viel Jod aufnehmen?

Durch eine ausgewogene Ernährung, einschließlich einer bewussten Verwendung von Jodsalz, werden die Zufuhrempfehlungen gerade erreicht. Eine Jodüberdosierung ist daher nicht zu erwarten. Verbraucher können die empfohlene Tagesdosis höchstens durch eine sehr einseitige und salzreiche Ernährung überschreiten. Lediglich der Verzehr von getrockneten Algen und Seetangprodukten wird als Risiko hinsichtlich einer zu hohen Jodaufnahme eingestuft. Diese Produkte, die man vorwiegend in der asiatischen Küche als Beilage zu Reis oder Gemüse isst, weisen zum Teil sehr hohe Jodgehalte auf. Es kann schon beim Genuss von kleinen Portionen zu einer exzessiven Jodaufnahme mit gesundheitlichen Folgen kommen.

Problematisch ist eine sehr hohe Jodzufuhr bei Patienten mit noch nicht erkannter oder mit nicht behandelter Schilddrüsenüberfunktion. Eine extrem hohe Jodzufuhr durch beispielsweise Medikamente, Röntgenkontrastmittel, Hautdesinfektionsmittel, hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel oder Algenprodukte kann die Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion auslösen oder bestehende verschlimmern. Für Patienten, bei denen eine Schilddrüsenüberfunktion bereits diagnostiziert und behandelt wird, ist die derzeitige durchschnittliche Jodaufnahme – einschließlich der Verwendung von Jodsalz und damit zubereiteten Lebensmitteln – allerdings kein Problem. Allgemein gelten Jodmengen bis zu 300 Mikrogramm pro Tag, das entspricht dem 1,5-fachen des täglichen Bedarfs, als verträglich.

Welche Lebensmittel enthalten genügend Jod?

Ausreichende Mengen an Jod kommen natürlicherweise nur in Seefisch und anderen Meerestieren vor. Aufgrund des regelmäßigen Verzehrs spielen aber auch Milch, Milchprodukte und Wasser eine Rolle bei der Jodversorgung sowie unter Berücksichtigung von jodiertem Speisesalz auch Brot. Kabeljau und Seelachs sind sehr reich an Jod. Sie liefern pro 100 Gramm fünf mal mehr Jod als Emmentaler.

Tipps: So sind Sie gut mit Jod versorgt!
- Essen Sie ein- bis zweimal wöchentlich Seefisch z. B. Seelachs, Kabeljau oder Schellfisch
- Verzehren Sie regelmäßig Milch und Milchprodukte.
- Bevorzugen Sie jodiertes Speisesalz.
- Achten Sie bei der Auswahl von Brot, Käse und Wurst darauf, dass diese mit jodiertem Speisesalz   hergestellt wurden.

 

Quellen:

Autorin: Dr. Claudia Müller, Bonn
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Ba 09/12

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