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  • 29.09.2016

Vegane Ernährung: das neue gesunde "Ich"

Sich vegan zu ernähren ist derzeit der größte Ernährungstrend in Deutschland. Zehn Prozent der Deutschen erklären sich als Vegetarier, ein Prozent als Veganer. Die Lebensmittelindustrie verzeichnet bei veganen Produkten Umsatzzuwächse von mehr als 25 Prozent innerhalb des letzten Jahres. Warum schließen sich immer mehr Menschen der veganen Ernährungsweise an? Wissenschaftler und Experten aus dem Bereich Ernährung diskutierten am 22. September bei der DGE-Fachtagung an der Universität Hohenheim über Motive und mögliche Risiken einer Umstellung auf „vegan”.

Der Veganer ist jung, weiblich und gut gebildet

Die Beweggründe für einen Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte sind vielfältig. Prof. Dr. Carola Strassner von der Fachhochschule Münster nannte allen voran ökologische, ethische, gesundheitliche und religiöse Gründe. „Veganer definieren mit ihrer Ernährung eine neue Lebens- und Werteeinstellung”, so die Oecotrophologin. Diese Meinung unterstrich auch Prof. Dr. Jana Rückert-John von der Hochschule Fulda. Für Rückert-John ist der neue Ernährungstrend eine Gegenbewegung zum derzeitigen Überfluss mit seinen negativen Folgen. „Der durchschnittliche Veganer ist zu 80 Prozent weiblich, ungefähr 31 Jahre alt und besitzt eine höhere Bildung”, fasst die Fuldaer Wissenschaftlerin zusammen. Gerade bei jungen Menschen sei vegane Ernährung sehr populär. Bereits jeder Fünfte der 16-bis 24-Jährigen kaufe Fleischersatzprodukte. Dabei suche nicht jeder Käufer nur einen Ersatz für Fleisch, vielmehr stecke dahinter die Suche nach einer allgemein gesünderen Ernährung.

Sie wollen wissen, was sie essen

Bei dieser Suche nach einer besseren Ernährung verhalten sich junge Konsumenten sehr kritisch. Sie ließen sich bei ihrer Lebensmittelauswahl weniger von den bereits eingeführten Vegan-Siegeln beeinflussen. Vielmehr orientierten sie sich an den Zutatenlisten und wüssten in der Regel auch überdurchschnittlich gut über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln Bescheid. Als Folge setzten Veganer die allgemeinen Ernährungsempfehlungen besser um als der Rest der Bevölkerung. „Veganer essen mehr Obst und Gemüse als der Normalverbraucher und sind deshalb im Allgemeinen besser mit allen Nährstoffen versorgt,” erklärte Prof. Dr. Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung in Gießen. Als Anleitung für die praktische Umsetzung einer optimalen veganen Ernährung stellte er die neue Gießener vegane Lebensmittelpyramide vor. Diese ist eine Weiterentwicklung der bereits vorliegenden Gießener vegetarischen Ernährungspyramide.

DGE sieht vegane Ernährung kritisch

Wie steht nun die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur veganen Ernährung? Dr. Margrit Richter vom Referat Wissenschaft der DGE nannte Vorteile, aber auch Risiken. Im Vergleich zu Mischköstlern hätten Veganer kaum Übergewicht, niedrigere Blutzuckerwerte und auch bessere Fettwerte. In Folge treten bei ihnen seltener Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und Krebs auf. Damit erweckt der neue Ernährungstrend zunächst einen positiven Eindruck. Bei der Versorgung mit Nährstoffen sieht die Wissenschaftlerin allerdings einige Probleme. Allen voran kritisierte sie die Versorgung mit Vitamin B12. Mit einer veganen Ernährung wird dieses Vitamin nicht zugeführt und sollte deshalb täglich zusätzlich aufgenommen werden. „Leider vorsorgen sich nicht alle Veganer zusätzlich mit Vitamin B12, obwohl sie es eigentlich wüssten” meinte Richter. Kritisch seien auch die unentbehrlichen Aminosäuren, Riboflavin, Calcium und Jod. Bei Eisen hätten Veganer nach Auswertung der vorliegenden Studien durchaus eine höhere Zufuhr als Mischköstler, jedoch kann das Eisen aus pflanzlichen Produkten nicht so gut vom Körper aufgenommen werden wie das aus tierischen Lebensmitteln. Prinzipiell hält die DGE eine vegane Ernährung nur bedingt empfehlenswert. Wichtig sei eine jährliche Kontrolle der Blutwerte, sowie der Ausgleich von fehlenden Nährstoffen. Für Kinder, Jugendliche und Frauen in der Schwangerschaft und der Stillzeit sei eine vegane Ernährung nach Ansicht der DGE nicht ratsam.


Autorin: Maria Hufnagl

Bildautorin: Friederike Wöhrlin



Bo 09/16

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