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Nachgefragt
  • 22.09.2016

Superfood = super gut?

Foto: Friederike Wöhrlin

Aҫai-Beeren, Chiasamen, Matcha, Hanf - sogenanntes Superfood liegt nach wie vor im Trend. Die Lebensmittel gelten als besonders nährstoffreich, und so mancher schwört auf ihre gesundheitliche Wirkung. Was hat es damit auf sich? Ist das exotische Superfood besser als unser heimisches Angebot?

In Zeitschriften, Kochbüchern und Blogs sind sie längst präsent. Und auch in Supermarktregalen, Restaurants und Bars haben die „Superlebensmittel“ bereits Einzug gehalten. Gemeint sind Aҫai- oder Goji-Beeren, Chiasamen, Matcha, Baobab, Hanfsamen, Quinoa, Granatapfel und Weizengras. Die Liste ist lang und bei weitem noch nicht vollständig. Sie sind getrocknet, als Pulver oder Saft beliebt und werden vielen Lebensmitteln zugesetzt. Auch weniger exotische Lebensmittel wie Avocados, Lachs, Heidelbeeren oder Rote Bete zählen mittlerweile zum Superfood.

Was genau ist Superfood?

Die Bezeichnung Superfood stammt in erster Linie aus dem Marketing. Eine wissenschaftlich anerkannte Definition für diese Trendlebensmittel gibt es nicht. Sie werden angepriesen als nährstoffreiche Lebensmittel, mit besonders hohem Gehalt an Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen, Antioxidantien und/oder sekundären Pflanzenstoffen. Angeblich unterstützen sie das allgemeine Wohlbefinden und verhelfen zu mehr Energie; sie wirken Stress entgegen, helfen beim Abnehmen, vertreiben Erkältungen, können sogar den Alterungsprozess aufhalten und noch vieles mehr. Wahre Wundermittel also?

Was ist dran an den Aussagen?

Tatsächlich enthalten viele der Früchte, Samen und Pulver gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, beispielsweise Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien. In verschiedenen Studien konnten Wissenschaftler auch positive Wirkungen auf die Gesundheit zeigen. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) hat sich einige Studien mit Superfood angeschaut und kritisiert, dass bei den Untersuchungen wesentlich höhere Mengen an Nährstoffen zugeführt werden als dies mit der üblichen Ernährung der Fall ist. Die Wirkung auf den Stoffwechsel ist meist nur von kurzer Dauer, sodass man für einen länger anhaltenden gesundheitlichen Effekt regelmäßig viel Superfood essen müsste. Aufgrund der langen Transportwege und der teilweise starken Verarbeitung der Produkte ist das aus ökologischer Sicht nicht empfehlenswert und zudem auch noch sehr kostspielig. Zudem, kritisiert EUFIC weiter, wurden viele Arbeiten an Tieren wie Ratten oder mit isolierten Zellkulturen durchgeführt. Die Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar.

Irreführende Werbung mit antioxidativen Eigenschaften

Manche Unternehmen werben mit einem hohen ORAC-Wert von Superfood. ORAC steht für "Oxygen Radical Absorbance Capacity". Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, Sauerstoffradikale abzufangen. Der Wert gibt an, wie viele freie Radikale pro Gramm Saft oder Frucht neutralisiert und somit unschädlich gemacht werden können. Laut Verbraucherzentrale NRW sind hohe ORAC-Werte für bestimmte Lebensmittel jedoch „reine Laborwerte“ und „finden sich beim Menschen nach dem Verzehr so nicht wieder“. Die bei der ORAC-Messung ablaufende Reaktion fände im Körper so gar nicht statt. Damit sei die Werbung irreführend. Die Verbraucherzentrale NRW kommt daher zu dem Schluss: „Der ORAC-Wert liefert keine Aussage zur gesundheitlichen Bedeutung eines Lebensmittels. Zudem handelt es sich um eine unzulässige nährwertbezogene Angabe – ist also ein Fall für die Lebensmittelüberwachung“.

Powerlebensmittel aus der Region

Zugegeben, die Vorstellung von Lebensmitteln, die einen besonderen Gesundheitsnutzen haben, ist sehr attraktiv. Letztlich kommen die Beeren und Samen mit den Gesundheitsversprechen dem heutigen Bestreben unserer Gesellschaft nach Convenience und Gesundheit nach. Möglicherweise konnten sie sich deshalb so erfolgreich am Markt etablieren. Und ohne Zweifel enthalten diese Trendlebensmittel teilweise viele Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Doch der Blick in den eigenen Garten oder das Einkaufsregal zeigt: Regionale Lebensmittel sind ebenso gut und bringen noch zusätzliche Frische! Für Gojibeeren aus China beispielsweise sind schwarze Johannisbeeren oder Brombeeren eine Alternative. Den Chiasamen, die aufgrund ihres Ballaststoffgehalts besonders beliebt sind, steht der heimische Leinsamen in nichts nach, und die Aҫai-Beeren lassen sich problemlos durch Sauerkirschen und Heidelbeeren ersetzen.
Letztlich kommt es aber nicht auf einzelne Lebensmittel an, sondern wie so oft macht es eine bunte abwechslungsreiche Mischung an frischen und saisonalen Lebensmitteln. Und da hat Deutschland als Anbauregion viel zu bieten.

Literatur:

Autorin: Dr. Claudia Müller
Bildautorin: Friederike Wöhrlin


Ste 08/16

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